Interview mit Dr. Wolfgang Plischke
"Innovationen sind entscheidend für unsere Zukunftsfähigkeit"


Dr. Wolfgang Plischke,
seit 1. März 2006
Mitglied des Vorstands
der Bayer AG und seit
dem 1. Mai 2006
verantwortlich für
Innovation, Technologie
und Umwelt sowie die
Region Asien
seit 1. März 2006
Mitglied des Vorstands
der Bayer AG und seit
dem 1. Mai 2006
verantwortlich für
Innovation, Technologie
und Umwelt sowie die
Region Asien
Mir kommt es insbesondere darauf an, deutlich zu machen, wie sehr diese Themenbereiche miteinander verknüpft sind. Alle drei sind mitentscheidend für die Zukunftsfähigkeit des gesamten Unternehmens. Forschungsergebnisse in Innovationen wie umweltverträgliche Produktionstechnologien und hochwertige Produkte umzusetzen, gehört zu unseren wichtigsten Aufgaben. Innovationen sind besonders wichtig zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit unseres Konzerns und bilden die Basis für unseren künftigen Erfolg. Und ebenfalls nicht vergessen darf man in diesem Zusammenhang unser verantwortungsbewusstes Handeln als Good Corporate Citizen.
Bedeutet das, Sie sehen verantwortungsbewusstes Handeln auch als Beitrag zur Wertschöpfung an?
Unbedingt. Die Wertschöpfung eines Unternehmens ist nicht ausschließlich auf den wirtschaftlichen und finanziellen Erfolg beschränkt. Selbstverständlich schaffen wir in erster Linie Werte durch unsere Produkte und Dienstleistungen, die den Wohlstand einer Gesellschaft sichern. Aber ein Unternehmen erzeugt darüber hinaus auch dauerhafte Benefits durch seine sozialen Aktivitäten und Leistungen.
Stimmt diese Haltung auch mit den Erwartungen der Aktionäre überein?
Ja, denn es ist heute unbestritten, dass ein bedeutender Teil des Unternehmenswerts mit dem Ansehen und der Akzeptanz in der Öffentlichkeit zusammenhängt. Dieses Bild wird wiederum ganz entscheidend von verantwortungsbewusstem Handeln und dem Engagement für Gesellschaft und Umwelt geprägt. Wer ökologische und soziale Prinzipien weitsichtig verfolgt, macht sich folglich nicht nur um die Allgemeinheit verdient, er sorgt auch für einen nachhaltigen Ruf des Unternehmens. Und dies macht Bayer sehr attraktiv für den an ethischen und ökologischen Kriterien orientierten Finanzmarkt, der international zunehmend an Bedeutung gewinnt. Das zeigt, dass Ökonomie und Ökologie miteinander in Einklang stehen und sich sogar gegenseitig befruchten können.
Woran machen Sie das fest?
Die Performance von Unternehmen im Hinblick auf Corporate Social Responsibility und das Eintreten für eine nachhaltige Entwicklung wird heute von professionellen Rating-Agenturen bewertet. Als Ergebnis unseres Engagements ist Bayer in den wichtigsten einschlägigen Indizes vertreten, zum Beispiel in den Dow Jones Sustainability Indizes oder auch im ersten weltweiten Klimaschutz-Index, dem „Climate Leadership Index“. Dies sehe ich unter anderem als Beleg dafür, dass sich nachhaltiges Handeln auch ökonomisch auszahlt.
Doch bevor sich etwas entsprechend auszahlt, muss gewährleistet sein, dass nachhaltige Entwicklung in allen Unternehmensbereichen dauerhaft und intensiv verfolgt wird. Wie können Sie dies sicherstellen?
Eine ganz wesentliche Rolle spielt hierbei unser Nachhaltigkeitsmanagement, das auf einem systematischen Ansatz basiert. Aufbauend auf den Werten und Führungsprinzipien haben wir eine konzernweit gültige Sustainable Development Policy entwickelt. Sie wird durch Konzern-Richtlinien und -Positionen sowie unser Sustainable Development Performance Management ausgefüllt. Dies leben wir in allen Ländern und Regionen, in denen wir vertreten sind. Denn schließlich wollen, dass unsere Produktionsverfahren und unsere Produkte umweltverträglich und sicher sind – und dies über deren gesamten Lebensweg.
Mit welchen konkreten Produkten wird denn schon heute eine nachhaltige Entwicklung besonders gefördert?
Dazu sollte man sich zunächst vergegenwärtigen, dass wir mit unseren drei Teilkonzernen Bayer HealthCare, Bayer CropScience und Bayer MaterialScience vor allem ein Ziel verfolgen: Wir wollen nachhaltig die Grundbedürfnisse der Menschen befriedigen und zur Verbesserung der Lebensqualität beitragen. Das heißt zum Beispiel, dass wir zukunftsweisende Medikamente zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Krankheiten und Krebs entwickeln. Gleichzeitig helfen wir aber auch, epidemische Krankheiten wie die Afrikanische Schlafkrankheit und Chagas zu bekämpfen, die insbesondere in ärmeren Ländern noch weit verbreitet sind. Auch dies betrachten wir als unsere gesellschaftliche Verantwortung. Große Möglichkeiten – etwa im Hinblick auf die Bekämpfung des Hungers in der Welt – ergeben sich für uns auch durch die Biotechnologie, die mit Sicherheit eine der zentralen Technologien dieses Jahrhunderts darstellt. Unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit ist natürlich ebenfalls der gesamte Bereich der Ernährung
bedeutend. Hier wollen wir mit Hochertragssaatgut, umweltschonender Saatgutbehandlung und innovativen Pflanzenschutzmitteln dazu beitragen, die dringend notwendige Steigerung landwirtschaftlicher Erträge zu erreichen. Der Nachhaltigkeit verpflichtet ist selbstverständlich auch MaterialScience: Dies zeigt sich beispielsweise in innovativen Materialien für Leichtbaukonstruktionen und zur Wärmedämmung – beides wichtige Beiträge zum Klimaschutz. Nicht zu vergessen der gesamte Bereich der Produktion: Hier optimieren wir ständig unsere Prozesse und entwickeln neue Technologien, um die Energieeffizienz zu steigern und die Ressourcen zu schonen.
Die von Ihnen erwähnte gesellschaftliche Verantwortung hat selbstverständlich viel mit Unternehmensstrategie zu tun, aber deren überzeugende Umsetzung ist eng verknüpft mit der Fähigkeit zur Innovation und entsprechend engagierten Mitarbeitern. Da drängt sich die Frage auf: Wie forcieren Sie die notwendige Innovationskraft auf Seiten der Mitarbeiter?
Das ist für uns in der Tat ein zentraler Punkt. Schließlich verdankt Bayer seine Bezeichnung Erfinder-Unternehmen zu einem großen Teil der Kreativität seiner Mitarbeiter. Sie haben es geschafft, über Jahrzehnte Forschungsergebnisse zu liefern, die dem Unternehmen einen Spitzenplatz unter den innovativen Konzernen der Welt sicherten. Und das soll auch in Zukunft so sein. Vor diesem Hintergrund ist auch die neue konzernweite Inno vationsinitiative Triple-i zu sehen. Dabei stehen die drei „i“ für „Inspirationen, Ideen, Innovationen“. Vorrangig geht es darum, die Kreativität unserer Mitarbeiter zur Entwicklung neuer Geschäftsideen zu nutzen. Gleichzeitig wollen wir aber auch eine neue Innovationskultur im Unternehmen schaffen und dafür jeden gewinnen.
Spielt denn Innovation auch bei Ihrem Engagement für die Gesellschaft eine besondere Rolle?
Ja, in starkem Maße sogar. Uns liegt die positive Entwicklung von Bildung, Wissenschaft und Forschung am Herzen, denn sie ist die Grundlage für die permanente Weiterentwicklung einer Gesellschaft. Zur
Förderung von Bildung und Forschung haben wir daher eine breite Palette von Wissenschaftsprogrammen aufgelegt. Dazu zählt beispielsweise unsere Mitarbeiterinitiative „Making Science Make Sense“. Damit wird Schülern die Faszination der Naturwissenschaften näher gebracht. Gestartet haben wir das Programm in den USA und es jetzt auch auf Japan ausgedehnt. In beiden Ländern stehen mehr als 1.200 Bayer-Beschäftigte auf ehrenamtlicher Basis in einem ständigen Dialog mit Schülern und Lehrern. Ähnliche Projekte haben wir rund um den Globus ins Leben gerufen. Außerdem unterstützen wir zum Beispiel durch acht unternehmensgeförderte Stiftungen international gezielt Jugendliche in der Berufsausbildung sowie exzellente Wissenschaftler. So wollen wir auch im Rahmen unserer gesellschaftlichen Verantwortung unserem Anspruch von „Bayer: Science For A Better Life“ gerecht werden.
Stichwort Dialog. Wie bedeutend ist für Ihr Unternehmen die Kommunikation mit den diversen Anspruchsgruppen, Ihren so genannten Stakeholdern. Wie gehen Sie mit ihnen um?
Sehr offen, denn der Dialog mit ihnen ist für uns in der Tat von großer Bedeutung. Und dafür ist nicht zuletzt unser Nachhaltigkeitsbericht, in dem wir unsere Werte, unser Management und unser Handeln transparent
machen, ein Beweis.


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